Kritischer Geist trifft großes Herz

Sind die Fidschianer einfach nur auf Freundlichkeit getrimmt oder meinen sie es ernst, wenn sie uns bei jeder Gelegenheit ihr „bula, bula“, also „hallo, hallo“, zurufen?

Kommt es wirklich von Herzen, wenn sie uns zu ihrer abendlichen Kava-Zeremonie einladen, bei dem eine berauschende, trübe Flüssigkeit aus Wasser und gemahlener Kava-Wurzel getrunken wird, oder wenn sie uns bei Ankunft auf einer mehr als 300 Inseln mit Musik und Gesang begrüßen? Die Diskussion führen Natascha und ich immer wieder. Der kritische Geist aus Europa tippt auf gutes Training und straffes Management: „Die sind einfach gut geschult hier. Das müssen die zur Begrüßung der Gäste machen.“ Mein Bauch sagt mir: „Die Fidschianer meinen es ernst.“

Willkommen im Dorf. "Bula" rufen auch schon die Jüngsten.

Willkommen im Dorf. „Bula“ rufen auch schon die Jüngsten.

Ich spreche mit Gabriel, Gästebetreuer im Yasawa-Inselresort Mantaray. „Wir Fidschianer machen in unseren Dörfern alles gemeinsam – fischen gehen, Gemüse anbauen, Hütten bauen. Abends singen und essen wir zusammen. Jeder schaut auf den anderen. Wenn jemand krank ist, helfen wir. Wenn ein Kind zur Schule gehen soll, finden wir einen Weg, um das zu ermöglichen. Für uns ist es ganz selbstverständlich, jeden einzubeziehen“, erläutert der 28-Jährige. „In vielen Dörfern gibt es keinen Strom und natürlich kein Internet. Wir leben mit unseren Familien in der Dorfgemeinschaft, treffen zusammen alle wichtigen Entscheidungen und sind eigentlich selten allein. Das Wir-Gefühl ist bei allen ganz stark, es hat uns und unsere Kultur schon immer ausgemacht. Und dieses Gefühl bringen wir mit, wenn wir uns um unsere Gäste kümmern oder wir abends für sie tanzen.“

Zum Empfang der Gäste gibt es frische Hibiskusblüten.

Zum Empfang der Gäste gibt es frische Hibiskusblüten.

Ich blicke tief in Gabriels braune Augen und denke an Deutschland, an Berlin. Viele Menschen, viele Wünsche, wenig Platz. Jeder will durchkommen, seine Ideen durchsetzen. „‚Ich‘ und ‚mein‘ gibt es häufiger als ‚wir‘ und ‚unser'“, denke ich. „Wie schnell glauben wir, unsere Grenzen verteidigen zu müssen und wie oft machen wir symbolisch die Tür hinter uns zu.“ Ich bin mir ganz sicher: Wir könnten einiges von den Insel-Bewohnern lernen.

Gabriele Brähler

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