Arm und reich auf Nacula

Wo die Reichen relaxen, wohnen die Armen, die für sie arbeiten, gleich nebenan.

Das ist in Städten wie Rio de Janeiro und Johannesburg mit ihren Favelas oder Slums so – und die Fiji-Inseln machen keine Ausnahme: Während sich nachts wie tags in den großzügigen Gartenvillen des „Blue Lagoon Beach Resort“ die Ventilatoren unter der Decke drehen, um den Gästen Kühlung zuzufächeln, schlafen die Angestellten und ihre Familien schwitzend wenige hundert Meter weiter im Dorf in Wellblechhütten oder hocken in geflochtenen Bambushäuschen auf dem Boden.

Großmutter Vanny und ihre Familie.

Großmutter Vanny und ihre Familie.

Hüttenleben im Dorf Nacula.

Hüttenleben im Dorf Nacula.

Möbel haben wir darin keine gesehen, höchstens eine Matratze. Oder als Besonderheit einen Fernseher, der wie ein Altar mit einem Deckchen darauf hergerichtet ist. Vor der Tür wiegt sich die Wäsche an einer Leine müde im feuchtwarmen Wind, unter einer schattenspendenden Plane wird Limetten-Limonade von Hand angerührt und gleich getrunken.

 

Stolz sind die Menschen auf den Yasawas allemal auf ihre „Villages“: John, der im „Blue Lagoon“ den Touristen die Zimmer zuweist, zeigt uns das Dorf Nacula auf der gleichnamigen Insel, in dem er wohnt. Er freut sich, dass aus jeder notdürftig zusammengehauenen Wellblechhütte, jedem geflochtenen oder roh gemauerten Häuschen ein Cousin, eine Cousine, ein Bruder, eine Schwester, ein Onkel oder eine Tante grüßt. 300 Leute wohnen in Nacula, die meisten arbeiten in einem der umliegenden Inselresorts.

Schnell werden ein paar Worte gewechselt, dann ziehen wir mit John weiter. Sehen die Methodistenkirche. Daneben ein großzügiges Versammlungshaus mit blitzblankem Wellblechdach (das letzte nahm ein Zyklon mit sich, sagt John). Innen drin gibt’s einen extra Platz für den Dorf-Chef unterhalb eines von der Decke herabhängenden Teppichs. Überhaupt spielen diese Chefs wohl eine wichtige Rolle: In einem anderen Dorf hören wir ein paar Tage später von Großmutter Vanny, dass Besucher dem dortigen „Bürgermeister“ erstmal fünf Dollar zahlen müssen, bevor sie sich umschauen dürfen. In Nacula schaut ein verdienter Chef als Bronzekopf noch posthum auf die Häupter seiner Gemeinde, er und seine Nachfolger haben schon von weitem sichtbare Gräber an einem privilegierten Platz, während die restlichen Dörfler irgendwo im nahen Palmenwald ihre letzte Ruhestätte finden.

John hat scheinbar eine Extra-Lizenz als Fremdenführer in Nacula. Wir kämpfen uns mit ihm durch die heiße Nachmittagssonne und er zeigt uns im Wald die Reste eine ehemaligen Missionarskirche, neben denen heute heimisches Gemüse angebaut wird, das die Insulaner neben den Früchten des Brotfruchtbaums besonders gern essen. Sie servieren es auch uns abends nach unserer Rückkehr im „Blue Lagoon“-Resort. Dabei sind sie so freundlich wie im Dorf, aber jetzt alle in die blaue Kluft ihres Arbeitgebers gekleidet…

Natascha Plankermann

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