Bula für die Backpacker

Schon am Flughafen stehen sie, die schwarzen Männer mit den leuchtend roten Hibiskusblüten hinterm Ohr.

In der Hand kleine und große Saiteninstrumente, und dann wird im Chor gesungen, dazwischen abwechselnd „Bula“ gerufen. „Bula“, das lernen wir, sagt oder vielmehr ruft man eigentlich ständig und aus Leibeskräften. Es heißt soviel wie „Hallo“, und da man auf den Fidschis auf Schritt und Tritt irgend jemanden trifft, wirkt das Wort fast überstrapaziert. Touristen bekommen beigebracht, es immer auf den Lippen zu tragen und zu schmettern.

Tatsächlich möchte man annehmen,dass die Gäste aus Übersee – egal ob Amerika, Australien oder Europa – hochwillkommen im 332-Insel-Staat Fidschi sind. Denn sie bringen natürlich das Geld. Wie sehr die Infrastruktur der Inselchen und ihrer Resorts auf Reisende ausgerichtet sind, das wird sich noch herausstellen, sobald wir in den Bus gestiegen sind, der uns nach Port Denarau auf der Hauptinsel Nadi bringt. Von hier an läuft alles so wie am Schnürchen, als würde ein deutscher Tourismus-Manager im Hintergrund die Fäden ziehen: Wir bekommen per Mikro gesagt, wo wir auf welches Schiff zu den Inseln einchecken sollen und werden direkt am Passagierterminal ausgeladen. Dort geben der weißblonde Maik aus München und die brünette Sarah aus Stuttgart erst ihre Rucksäcke ab und bekommen dann Gutscheine für ihre Unterkünfte auf den Inseln.

Die meisten der Fidschi-Reisenden sind um die Zwanzig.

Die meisten der Fidschi-Reisenden sind um die Zwanzig.

Kaum sind sie an Bord der Katamaranfähre, die sie dorthin bringt, bekommen sie von drei freundlichen schwarzen Frauen den sogenannten Bula-Pass (Willkommenspass) ausgestellt und – falls noch nicht geschehen – ein Resort auf einer der Inseln verpasst. Will heißen, man sucht es sich natürlich aus und entscheidet, ob man in einer Kabine mit Gemeinschaftsbad am Strand nächtigt, oder sich eine eigene Duschkabine gönnt. Kostet natürlich extra, ebenso wie das Essen auf den Inseln.

Dort angekommen, wird wieder fleißig „Bula“ gerufen und gesungen. Die Mannschaften der Insel-Resorts scheinen entsprechend trainiert zu sein und es zeigt sich, dass sie außerdem noch Mahlzeiten servieren, abends im Baströckchen zum Vergnügen der Youngsters aus der Fremde tanzen und ihnen Cocktails zubereiten.

Apropos Essen und Trinken: Die Zeiten, in denen dies möglich ist, sind auf den Fidschis ebenso festgelegt wie alle anderen Aktivitäten, also etwa begleitetes Schnorcheln oder Beachvolleyball. Wenn auf einem Holzblock getrommelt wird, strömen alle Resortgäste zum Futtertrog, pardon, in den Speisesaal – so erleben wir’s im Mantarey Island Resort. Und im Katalog des Erlebnisreisenveranstalters „Awesome Adventures“ ist nachzulesen, dass es auf den anderen Inseln ganz ähnlich zugeht. Im luxuriöseren Resort „Blue Lagoon“ auf Nacula wird allerdings etwas mehr Zeit als nur eine Stunde für die Mahlzeiten gegeben – so kann man den köstlichen Fisch, der oft mit indischen Gewürzen zubereitet ist oder von Süßkartoffelmus begleitet auf den Teller kommt, in Ruhe genießen.

Nach dem Dinner treffen sich dann Maik und Sarah mit gleichaltrigen „Eben-Noch-Schülern“ oder „Schon-Studenten“, um sich beim abendlichen Plausch weltmännisch auszutauschen. Darüber, wen man auf seinen weiten Reisen eben noch in Thailand und dann plötzlich in Singapur gesehen hat. Über die winterlichen Verhältnisse in Deutschland und die Schneehöhe auf dem Feldberg. Sarah sagt, dass ihr der Weihnachtsstress, der bei ihren Eltern herrscht, unterwegs gar nicht gefehlt hat. Sie ist bereits seit drei Monaten auf Tour, vermutlich finanziert von Papa und Mama.

Auf zu den Fidschis. Die Trauminseln stehen hoch im Kurs bei den Backpapers.

Auf zu den Fidschis. Die Trauminseln stehen hoch im Kurs bei den Backpapers.

Zwei bezopfte Blondinen am Nachbartisch sind froh, dass ihre Mutter ganz weit weg ist und sich nicht ins Gespräch einmischen kann, denn: „Die hat zu 90 Prozent immer recht.“ Maik seufzt über die spießigen Verhältnisse zuhaus und erklärt, jetzt erst wisse er, mit wenig man auskommen könne. „Und überhaupt kennt man die ganzen indonesischen Inseln daheim gar nicht. Höchstens Java, aber dann hört’s schon auf.“ Eins vermisst Sarah übrigens doch: den Geschmack von Gummibärchen. Noch vor Mitternacht beschließen alle, ins Bett zu gehen. Schließlich ruft der Resort-Frühstücksdienst im Paradies morgen pünktlich um acht Uhr freundlich „Bula“, wenn er die Brötchen aufs Büffett legt.

Natascha Plankermann

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