Gabriel mit der Hibiskusblüte

„Morgens trage ich eine zartrose Hibiskusblüte, nachmittags eine rote“, sagt Gabriel lachend und zeigt auf den traditionellen Ohrschmuck der Fidschianer.

Als Gästebetreuer ist er auf der Yasawa-Insel Mantaray für alles zuständig, was das Wohlbefinden der Gäste aus der ganzen Welt betrifft: Sicherheit, Menschen mit anderen Menschen zusammenbringen und Unterhaltung – kurz und gut, er ist einfach „Mädchen für alles“.

Gabriel - unterhalter, der seine Gäste und Kollegen fest im Griff hat.

Gabriel – unterhalter, der seine Gäste und Kollegen fest im Griff hat.

„Ah, Gabriele aus Germany, nice to meet you“, so kommen wir schnell ins Gespräch, nachdem er uns alle von der Fähre sicher in die kleinen Booten zur Überfahrt zum Mantaray-Strand bugsiert hat und uns dabei den Gruß aller Grüße auf den Fidschis beigebracht hat – bula, hallo und guten Tag.

Gabriel liebt alles Schöne – Schmuckdesign, Kostüme, Tanzen, Make-up und Entertainment. Bevor die Nacht hereinbricht, leitet er eine Gruppe seiner Kollegen an, die uns Touristen die Tänze der letzten Kannibalen vorführen. „Huhchch“ – die schlanken, muskulösen Körper der Männer, bewaffnet mit einer urtümlichen hölzernen Waffe, springen bis auf wenige Zentimeter an die zumeist jungen Gäste heran. Eher sexy und weniger bedrohlich wirken die „Kämpfer“ im Baströckchen. Zumal wir den einen oder anderen wieder erkennen. Der stets gut gelaunte Don, von dem wir den Schnorchel ausgeliehen haben, und Paulo, der mit entwaffnendem Lächeln so nett war, uns die Liegen an den Strand vor unserer Hütte zu stellen.

Zum Abschied wird noch schnell ein Armband aus Streifen von Palmenblättern geknüpft.

Zum Abschied wird noch schnell ein Armband aus Streifen von Palmenblättern geknüpft.

Voller Begeisterung schwenkt Gabriel seine Hüften – mit der Überschwänglichkeit macht ihm das keiner der anderen Tänzer nach. Lachend läßt er sie auch dann kreisen, wenn er im auf dem Hügel gelegenen Restaurant mal ein weggefuttertes Gericht von der Menütafel wischt. „It’s out“, ruft er dazu mit breitem Grinsen und weit ausladenden Gesten. Keine Frage – der 28-Jährige genießt es, im Mittelpunkt zu stehen.

An Gabriel kommt keiner vorbei, der in Mantaray eine der Stelzenhütten bezieht. Diese gibt es wahlweise ohne eigenes Bad oder mit. Wir als die etwas Älteren – um uns herum sehen wir eigentlich nur um die Zwanzigjährige – entscheiden uns für ein kleines bisschen privaten Luxus. Sei es auch nur in Form einer wasserlosen Chemie-Toilette, die ab und an umrundet wird von einer fingerlangen Riesenschabe.

Aber zurück zu Gabriel. Er ist überall. Wie ein guter Geist ist er zur Stelle, wenn irgendwo das Türschloss klemmt. Scheint Langeweile bei den weit gereisten Twens aus Europa, Asien oder den USA aufzukommen, organisiert er mal eben ein Krabbenrennen mit schnell auf den Boden gekreidetem Parcours oder ein Ping-Pong-Biertrinkspiel. Geboren wurde er auf einer der im Norden liegenden Fidji-Inseln – Taveuni. Seit fünf Jahren arbeitet er im Resort Mantaray. Wenn er nicht im Resort für gute Stimmung sorgt, macht er sich als Friseur im Salon eines Freundes nützlich. Sein inniger Wunsch: „Ich möchte nach Australien gehen. Am liebsten dort auf einer großen Bühne stehen oder im Hintergrund die Fäden ziehen.“

Am Abschiedstag knüpfen wir mit Gabriel Armbänder aus Streifen von Palmblättern. „Good bye“, ruft er uns am Nachmittag winkend zu, als wir zum Ausbooten auf die Fähre ins Bötchen steigen. Dann rückt er die rote Hibiskusblüte am Ohr zurecht und wendet sich strahlend den Neuankömmlingen zu: „Bula, bula.“

Gabriele Brähler

 

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