Die Riesenschlucht – Sehnsuchtsort für Abenteurer

Was bis heute als grandioses Naturspektakel zu bewundern ist, war gegen Mitte des 19. Jahrhunderts auch ein Tummelplatz für echte Abenteurer.

John Wesley Powell war einer von ihnen. Der in sechs Millionen Jahren entstandene Grand Canyon zog ihn schon früh magisch an. 1869 wagte er sich als erster in die tiefen Schluchten des durch Lavaströme, Erosion und die Kraft des Wassers entstandenen Canyons. Ein riskantes Vorhaben, vor allem, wenn man sich vorstellt, dass er im Bürgerkrieg einen Arm verloren hatte.

William Powell - tollkühner Canyon-Erkunder.

William Powell – tollkühner Canyon-Erkunder.

Eine wahre Höllenfahrt bei Tag und Nacht wird es schon gewesen sein. Mit neun Männern und vier Booten machte er sich auf den Weg zu unberechenbaren Stromschnellen, mächtigen Wasserfällen und Abgründen ohne Ausweg. Wegen seines Handicaps wurde der Expeditionsleiter streckenweise am Boot angebunden, um nicht über Bord zu gehen.

Auf dem Weg büßten die Abenteurer große Teile ihrer Lebensmittel ein. Die Hälfte der Mannschaft kam nicht zurück. War die erste Expedition eher eine Übung zum Überleben, so sollte die zweite dem ursprünglichen Ziel dienen – der wissenschaftlichen Kartierung des Grand Canyon. 1871 und 1872 starte Powell zu dieser Expedition und fertigte die ersten Karten über den Grand Canyon an. Ein Denkmal am Südrand erinnert heute an den Mann ohne Furcht und mit umso mehr Entdeckergeist.

Grand Canyon-Eroberer und Pioniere ganz anderer Art waren die Kolb-Brüder. Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckten sie die großartige Landschaft und kamen auf die Idee, dort als Fotografen und Filmemacher zu arbeiten. Noch heute steht ein Steinhaus im Süden des Canyons, das an ihr Studio aus dem Jahr 1904 erinnert. An den Rand des in die Tiefe stürzenden Felses ist es erbaut. Wer aus dem Fenster hinausschaut, dem rieseln leichte Schauer über den Rücken – so steilgerade geht es hinab.

Die Foto-Ausrüstung der Kolb-Brüder.

Die Foto-Ausrüstung der Kolb-Brüder.

1915 war das Studio so weit ausgebaut, dass die Brüder eine Art Diashow und bewegte Bilder ihrer Touren über den Green River und den Colorado River zeigen konnten. Spektakulär für die damalige Zeit. Wer sich heute vor Ort die ruckelnden, leicht unscharfen Schwarzweißfilme ihrer Ausflüge zu Wasser ansieht, kann sich leicht ausmalen, welche Anziehungskraft das Kolbsche Fotostudio am Grand Canyon mit seinem spannenden Unterhaltungsprogramm ausübte.

Sehnsuchtsort für Abenteurer wie William Powell oder die Brüder Kolb: das Naturwunder Grand Canyon.

Sehnsuchtsort für Abenteurer wie William Powell oder die Brüder Kolb: das Naturwunder Grand Canyon.

Gold-, Silber- und Kupfersucher gab es im Canyon, für kurze Zeit sogar eine Mine, in der Uran abgebaut wurde. Und es gab pfiffige Geschäftsleute wie Fred Harvey, der mit einer – heute würden wir sagen – Imbissbude begann und ein ganzes Catering-Imperium für die Touristen aufbaute. Der Grand Canyon könnte viele Geschichten erzählen von Leuten, die in, an oder mit ihm ihr Glück suchten und oft auch fanden.

Gabriele Brähler

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