Happy End in der Nacht am Rotorua See

Wenn die Maori schnitzen, dann erzählen sie Geschichten. Und zwar durch Symbole und Bilder, von denen die Ureinwohner Neuseelands genau wissen, was sie bedeuten.

„Das ist so, als würden Sie ein Mädchen mit roter Kappe und Korb sehen, dahinter einen Wolf – dann ist Ihnen klar, um welches Märchen es sich handelt“, erklärt uns Darren, unser Guide im geschützten Gebiet Te Puia unweit des Rotorua-Sees mitten auf der Nordinsel. Dort bekommen die Gäste Naturereignisse wie den meterhoch Wasser sprühenden Pohutu-Geysir zu sehen, und ihnen wird auch die Maori-Kultur nahe gebracht.

Darren erzählt die Geschichte von Romeo und Julia auf neuseeländisch, die hier in geschnitzter Symbolsprache der Maori dargestellt ist.

Darren erzählt die Geschichte von Romeo und Julia auf neuseeländisch, die hier in geschnitzter Symbolsprache der Maori dargestellt ist.

Traditionelle Maori-Schnitzkunst.

Traditionelle Maori-Schnitzkunst.

Kara ist einer der Schnitzer, der die alte Handwerkskunst erlernt.

Kara ist einer der Schnitzer, der die alte Handwerkskunst erlernt.

Zu ihr gehört die Legende von Hinemoa und Tutanekai. Der junge Mann verliebte sich in die schöne Hinemoa. Da ihre Familie von höherem Rang war, traute er sich erst nicht, ihr seine Zuneigung zu zeigen. Als sich herausstellte, dass sie sich ebenfalls nach ihm verzehrte, schien der Standesunterschied zunächst unüberwindbar. Die Liebenden waren durch den See und die wachsame Familie des Mädchens getrennt. Doch Tutanekai versprach der Geliebten, so lange am Ufer bei Nacht Flöte zu spielen, bis es Hinemoa gelang, zu ihm zu flüchten. Sie band sich schließlich ausgehöhlte Kürbisse als Schwimmhilfe um den Bauch, durchquerte den See und die beiden wurden ein Paar – Happy End für Rome und Julia auf neuseeländisch.

Tutanekai mit der Flöte und Hinemoa mit den Kürbissen an ihren Hüften sind ein beliebtes Motiv in der Schule für traditionelle Schnitzkunst, die es seit 1967 in Te Puia gibt. Dort lernen die Schüler drei Jahre das Handwerk. Kara ist einer von ihnen: „Wir fertigen hier Figuren und Totempfähle für Versammlungsorte und Gedenkstätten. Die alte Kunst geht verloren. Alle, die sich hier ausbilden lassen, möchten dazu beitragen, dass sie erhalten bleibt.“

Bis in die Neuzeit kannten die Maoris keine Schriftsprache und überlieferten alle Erzählungen sowie ihre eigenen Traditionen ausschließlich mit geschnitzter Symbolsprache: Wir sehen aufgerissene Münder, herausgestreckte Zunge, ineinander verschlungene Ornamente, Schmuckbänder… und die Geschichte von Hinemoa und Tutanekai, in Holz verewigt. Für Guide Darren eine Erinnerung an seine Vorfahren: „Auch ich stamme von den beiden ab“, sagt er im Brustton der Überzeugung.

Gabriele Brähler / Natascha Plankermann

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