La Casa Te Puru

Taraia Ngakuti Te Tumuhia – so hieß der letzte Kannibale Neuseelands, der bis um die 1870er Jahre in der Nähe des heutigen Te Puru auf der Nordinsel Neuseelands am Fuße der Halbinsel Coromandel lebte. Wo der stolze Ureinwohner mit seinem Clan sein Feuerchen machte, lassen sich Gäste heute in der Lodge La Casa Te Puru verwöhnen und genießen selbstgemachte Ingwer-Marmelade und köstliche Pflaumen zum Frühstück.

Christine und Drew in der Maori-Gedenkstätte auf ihrem Grundstück.

Die Lodge-Besitzer Christine und Drew sind stolz, dass sie ihren großen Traum an einem so geschichtsträchtigen Ort wahr machen konnten. In Te Puru, am Meeresstrom namens Firth of Thames gelegen, lag einmal das größte Dorf der Maoris. Wo heute die Lodge steht, blickte einst der Clanchef aus seiner Hütte auf seine Familienmitglieder, die am Fuße des Berges dem Fischen nachging oder am Berghang Muscheln zerkleinerten. Diese Muschelscherben wurden rund um das Dorf verteilt. Näherte sich nachts ein Feind, verriet ihn das laute Knirschen. Noch heute sind im Garten des Paares dicke Muschelschichten zu sehen. Sollte also Hazel, die hauseigene Ziege, einmal aus ihrem Gatter ausbüchsen, würde auch sie nicht unbemerkt entkommen.

Vor dreieinhalb Jahren haben der 58-jährige Drew und die 60-jährige Christine ihre ersten Besucher empfangen. In sieben Zimmern kommen Reisende aus allen Kontinenten und Ländern unter und wollen – so wie Natascha und ich – manchmal gar nicht mehr weiterziehen.

Lodge mit grandioser Aussicht aufs weite Meer - La Casa Te Puia.

Lodge mit grandioser Aussicht aufs weite Meer – La Casa Te Puia.

Weit schweift der Blick über das Meer, der Sonnenuntergang beeindruckt mit silbrig-rot-blauen Tönen – die über dem Ort gelegene Lodge ist ein echtes Kleinod. Nicht nur wegen der Lage, vor allem wegen der warmherzigen Gastgeber, die jeden Besucher wie ein Familienmitglied aufnehmen. „I am a Kiwi“, lacht Drew und hält sich eine Milchflasche vor die Nase, um den langen Schnabel des Wahrzeichens Neuseelands zu imitieren. Braun gebrannt, die Basecap verkehrt herum auf dem Kopf, bugsiert er mal die frisch angekommenen Schafe als neue Weidegenossen zu Ziege Hazel hinters Gatter oder kocht – mit einer schicken Küchenschürze schön gemacht – für Kaffee-Junkies den morgendlichen Aufwachtrunk.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhundert waren in Te Puru die Maori zu Hause, jagten, fischten und führten Krieg. „Man kämpfte um Nahrung und um Frauen“, erzählt uns Christine. Als dann die Weißen auf der Suche nach Gold kamen, verkauften viele der Einheimischen für sehr wenig Geld ihr Land.

Der letzte Kannibale Neuseelands schwang bis Mitte des 19. Jahrhunderts sein Beil..

Der letzte Kannibale Neuseelands schwang bis Mitte des 19. Jahrhunderts sein Beil..

„Wir möchten die Erinnerungen an die Ureinwohner erhalten“, betont das Paar. „Auf unserem Grundstück steht eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Ureinwohner – Te Aputa Pa Site. Jeder, der sich für die Geschichte interessiert, ist hier willkommen.“ In der Holzhütte sind Schnitzereien zu sehen, die kraftvollen Symbole der Maoris beschwören unter anderem den Gott des Waldes und der Vögel, den Gott des Meeres, den Frieden genauso wie den Krieg.

Unsere Gastgeber erinnern sich an eine ganz besondere Geschichte. „Im vergangenen Jahr“, berichten sie, „kam einmal eine Maori-Gruppe mit etwa 40 Leute zu uns. Und plötzlich fing einer nach dem anderen an, Ukulele zu spielen. Sie spielten zwei Stunden lang. Als wir ihnen erzählten, dass dieser Ort früher für besondere Zeremonien genutzt wurden, und dass wir diesen Ort erhalten wollen, haben sie uns eine ganz besondere Ehre erwiesen. Das Familienoberhaupt, ein alter Mann im Rollstuhl, kam auf Drew zu und begrüßte ihn mit dem traditionellen Nasenreiben – etwas, das sie eigentlich nur unter Ihresgleichen tun. Damit wollte er danke sagen. Dies war ein bewegender Augenblick für uns. Drei Tage später ist der alte Mann gestorben.“

Maori sind immer wieder zu Gast in der Lodge. „Hier feiern wir Hochzeiten und Geburten“, berichtet Christine. „Wir führen auch Traditionen fort und kochen beispielsweise auf traditionelle Weise. In einer Tonne erhitzen wir Kohlen, auf der Glut werden dann Fleisch und auch Gemüse langsam in mehreren Stunden gegart.“ Auch die große Naturverbundenheit teilen Christine und Drew mit den Ureinwohnern. Auf der Lodge wird nur Regenwasser verwendet, im Garten wachsen Gemüse und Obst, „glückliche“ Hühner liefern Eier und die Schafe werden wohl den einen oder anderen Festtagsbraten sichern.

Neuseelands-Reisenden können wir das Lodge La Casa Te Puru nur wärmstens empfehlen. Mehr Informationen unter www.lacasatepurulodge.com

Gabriele Brähler

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